Das zerbrochene Ringlein.
Wittrichs letzter Fall.

Ein Provinzkrimi
von Burkhart M. Schürmann

(Copyright beim Autor)

 

 

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Sonntag, 21. Juni
   Nachmittags im Konzert und anschließend in der Weinstube

Nach dem Mittagsschläfchen hat der Wittrich sich dann noch ein Stückchen Kuchen und eine Tasse Kaffee gegönnt, und um dreiviertel Vier hat er sich wie verabredet mit der Ulla Klempp an der Stadtpfarrkirche getroffen, um mit ihr in das Gedenkkonzert für die Silvia Zürner zu gehen, und das ist wirklich kein leichter Gang gewesen, weil natürlich eine ziemlich bedrückte Stimmung in der Kirche geherrscht hat. Vorne in der ersten Reihe hat die Mutter von der Silvia gesessen und daneben ihr Bruder Martin, und man hat eigentlich schon von weitem sehen können, dass die Mutter ziemlich verstört gewesen ist, so wie sie mit ihrem Kopf gewackelt hat und pausenlos vor und zurück geschaukelt ist, und dann hat sie auch immer wieder so gurgelnde Geräusche gemacht, die wie eine Mischung aus einem unterdrückten Schreien und einem lauten Seufzer geklungen haben, und als der Wittrich das aus der Entfernung mitgekriegt hat, denn er hat ja mit der Ulla Klempp nur ein paar Reihen weiter hinten gesessen, da hat er sich ja gleich gefragt, ob das wohl so eine gute Idee von dem Martin Zürner gewesen ist, seine Mutter mit in das Konzert zu nehmen, aber als dann der Pfarrer am Anfang die Zuhörer und die Ausführenden begrüßt hat und dann ein paar Worte über die Silvia erzählt hat, wie sie hier schon mit elf Jahren Ministrantin in der Stadtpfarrkirche gewesen ist und dann irgendwann so von der Orgelmusik in der Messe begeistert war, dass sie selber Orgelspielen lernen wollte, und wie sie angefangen hat, Unterricht zu nehmen, bis sie irgendwann selber Gottesdienste spielen konnte, und wie sie dann später nach dem Abitur auf die Kronacher Musikfachschule gegangen ist und danach auf die Kirchenmusikhochschule in Regensburg, um Kirchenmusik zu studieren, und dass ihr Freitod im Januar alle, die sie gekannt haben, schockiert und vor ein großes Rätsel gestellt hat, weil wohl kaum jemand geahnt hätte, dass die Silvia insgeheim so einen großen Kummer mit sich herumträgt, dass sie keinen anderen Ausweg mehr weiß, als sich das Leben zu nehmen, und dass man nun nur noch auf die Gnade des Herrn hoffen könne, dessen Wege eben manchmal unergründlich seien, da sind die gurgelnden Geräusche von Silvias Mutter allmählich immer lauter und lauter geworden, und ihr Sohn Martin hat sie gar nicht mehr beruhigen können, und als dann der Herr Terzl, also der Orgellehrer von der Silvia an der Kronacher Musikfachschule, als der angefangen hat, ein langes Orgelstück in Moll zu spielen, das zuerst nur mit einer traurigen Melodie im Bass anfängt und sich dann nach und nach aufbaut und immer mächtiger und dramatischer wird, da hat sich auch das Gurgeln der Mutter immer noch weiter aufgebaut, bis es am Ende sogar ein bisschen ein Schreien gewesen ist, und noch bevor dann das lange Orgelstück in Moll zu Ende gewesen ist, hat der Martin Zürner seine Mutter schließlich aus der Kirche geführt, wobei die beiden ganz dicht am Wittrich vorbeigekommen sind, der sich noch gefragt hat, wieso ihm der Martin Zürner eigentlich so bekannt vorkommt, weil er sich nicht mehr daran erinnern konnte, wo er ihm schon einmal begegnet ist, aber noch bevor es dem Wittrich wieder eingefallen ist, ist dann plötzlich die Mutter von der Silvia kurz vor dem Ausgang zusammengeklappt, und der Martin Zürner hat sie die letzten Meter zur Tür fast noch schleifen müssen, und das ist dem Wittrich und den anderen Leuten in der Kirche schon ganz schön durch Mark und Bein gegangen, wie die schreiende Mutter da von ihrem Sohn aus der Kirche geschleift worden ist, und es hat danach noch eine ganze Weile gedauert, bis sich der Wittrich wieder ein bisschen auf die Musik konzentrieren konnte.

Als das lange Orgelstück in Moll schließlich zu Ende gewesen ist, hat sich dann der Chor der Musikfachschule aufgestellt, und der Matthias Fuchs, also der Direktor der Musikfachschule, hat die Stimmgabel gezückt, um die Anfangstöne für das Chorstück anzugeben, das jetzt gesungen werden sollte, aber als er dann dem Chor die Anfangstöne vorsummen wollte, da hat man nur so ein klägliches Wimmern gehört, weil ihm nämlich plötzlich die Stimme versagt hat, und das wäre ein andermal vielleicht sogar ganz lustig gewesen, aber in diesem Moment hat das wohl niemand lustig gefunden, weil man nämlich gesehen hat, wie er schnell ein Taschentuch aus der Hose geholt und sich erst einmal die Augen ausgewischt und die Nase geschnäuzt hat. Und erst dann hat er noch einmal kräftig geräuspert und mit einiger Mühe doch noch die richtigen Anfangstöne von dem Stück gekrächzt, das dann mit den Worten angefangen hat: „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir ...“

Nach dem Stück hat der Chor der Musikfachschule dann noch zwei andere Stücke gesungen, und wenn ich mich richtig erinnere, dann kam in dem einen Stück die Stelle vor, wo es heißt „dass ich hinein gehe zum Altar Gottes“, und in dem anderen Stück die Worte „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“, und danach hat dann der Orgelprofessor aus Regensburg, bei dem die Silvia Unterricht gehabt hat, ein Stück über den Choral „Alle Menschen müssen sterben“ gespielt, bevor sich dann auch noch die Regensburger Kirchenmusikstudenten aufgestellt haben, um ein Chorstück zu singen, und dieses Chorstück hat mit einem lauten „Warum?“ angefangen, und nach diesem lauten „Warum?“ ist es erst einmal einen Moment lang ganz still in der Kirche gewesen ist, bevor dann noch ein zweites, aber viel leiseres „Warum?“ gekommen ist, und danach haben dann die vier Chorstimmen angefangen, eine nach der anderen mit einer sich herumschlängelnden Bandwurm-Melodie einzusetzen, und diese vier Melodie-Bandwürmer haben sich allmählich zu einem regelrechten Knäuel verheddert, das dann zwischendurch noch ein paarmal wieder von dem „Warum?“ vom Anfang unterbrochen worden ist, und als der Chor dann an die Stelle gekommen ist, wo der Text heißt „wir preisen selig, die erduldet haben“, da hat man schon sehen können, wie einer Alt-Sängerin in der ersten Reihe die Knie zu zittern angefangen haben, und bei „denn der Herr ist barmherzig“, da ist sie dann schon ein bisschen ins Schwanken geraten, und kurz vor dem Schluss, bei den Worten „ich fahr dahin, in Gottes Willen“, da ist sie dann endgültig zusammengeklappt, und natürlich haben die beiden Kolleginnen links und rechts von ihr gleich versucht, sie festzuhalten, aber die hatten ja ihre Notenmappen in der Hand, und der einen ist ihre Mappe dann mit einem lauten Platsch auf die Steintreppe geplumpst, und der anderen sind die ganzen Noten einzeln aus der Mappe herausgefallen und auf die zusammengeklappte Sängerin heruntergerieselt, und die Männerstimmen hinter den dreien haben auch vor Schreck mit dem Singen aufgehört, während der Rest des Chores gar nicht gleich mitbekommen hat, was da passiert ist, und deshalb haben die natürlich erst noch weitergesungen, und der Dirigent hat sich auch nicht gleich entscheiden können, ob er die paar Töne, die es jetzt nur noch bis zum Schluss gewesen sind, zu Ende singen lassen soll, oder ob er besser abbricht und sich um die zusammengeklappte Sängerin kümmert, und so ist das Stück dann in einem ziemlichen Durcheinander zu Ende gegangen, obwohl ja nur noch ein paar Töne gefehlt haben, bis es sowieso vorbei gewesen wäre. Und natürlich hat man da aus den Zuschauerreihen ein Raunen hören können und dann etwas später auch noch ein Schluchzen, und einen Moment lang hat keiner so richtig gewusst, ob man jetzt einfach weitermachen soll mit dem Konzert oder ob es jetzt vielleicht doch besser wäre abzubrechen, aber nachdem sich die ohnmächtig gewordene Sängerin dann ziemlich schnell wieder berappelt hat und zwei Kolleginnen sie vor die Tür an die frische Luft begleitet haben, hat dann ein anderer Student doch noch das nächste Stück auf der Orgel gespielt, und nach ein paar Tönen sind dann alle erst einmal wieder ein bisschen abgelenkt gewesen von der Musik.

Als das Konzert dann schließlich irgendwann vorbei gewesen ist, da hat die Ulla Klempp den Wittrich gefragt, ob er noch auf einen Schluck mit in die Weinstube im Bamberger Tor kommen mag, und da hat der Wittrich nicht lange überlegen müssen, denn nach so einem Konzert hat er einen Schluck Wein jetzt wirklich ganz gut gebrauchen können. Also ist der Wittrich die paar Meter bis zur Weinstube hinter der Ulla Klempp her gewackelt, und da haben sich die beiden dann natürlich noch einmal über das Konzert und die vielen Zwischenfälle unterhalten, und die Ulla Klempp hat gesagt, dass die Mutter von der Silvia ja erst vor ein paar Wochen aus der Psychiatrie in Kutzenberg entlassen worden ist, als der Martin Zürner sein Energietechnik-Studium abgebrochen hat und von Bremen nach Kronach zurück gezogen ist, damit er sich um seine Mutter kümmern kann, aber dass es nach dem Vorfall heute Abend vielleicht doch besser wäre, wenn sie erst einmal wieder zurück in die Klink geht, und dass es ja auch wirklich keine gute Idee gewesen ist, sie mit in so ein Konzert zu nehmen, wo doch alles wieder aufgewühlt wird, was sich gerade erst ein bisschen beruhigt hat. Und dann haben die Ulla Klempp und der Wittrich überlegt, wen sie noch alles im Konzert gesehen haben, und da sind sie natürlich auf viele Namen gestoßen, die zu den regelmäßigen Konzertbesuchern in Kronach gehören, wie zum Beispiel die Mitglieder der Cäcilia und der Goethe-Gesellschaft, oder die Meisters und der Hartwig Ludl oder der Dr. Zwinkler und die Pawlitscheks, und als dann die Ulla Klempp die Nachbarn der Zürners am Kreuzberg aufgezählt hat, die sie im Konzert gesehen hat, da hat sie sich noch gewundert, warum denn der Dr. Schwenglein nicht auch im Konzert gewesen ist, der doch nicht nur ganz in der Nähe der Zürners wohnt, sondern der ja auch die Silvia immer ganz besonders gefördert hat, weil – der Dr. Schwenglein und seine Frau haben ja selbst keine Kinder gehabt, und als es dem Vater von der Silvia einmal eine Zeit lang finanziell nicht so gut gegangen ist, da hat der Dr. Schwenglein sogar den Musikunterricht für die Silvia bezahlt, und er ist auch immer da gewesen, wenn sie einmal einen kleinen Auftritt gehabt hat, und im Gottesdienst ist er ja sowieso immer gewesen, wenn die Silvia als Ministrantin dran war oder wenn sie dann später die Orgel gespielt hat.

Nachdem der Wittrich und die Ulla Klempp schon eine Weile gesessen sind und sich unterhalten haben, da sind dann auch noch drei junge Männer in die Weinstube gekommen und haben sich an den Nachbartisch gesetzt, und obwohl der Wittrich ja wegen seinem grauen Star nicht mehr so gut hat sehen können, hat er aber doch erkannt, dass das drei von den Kirchenmusikstudenten aus Regensburg gewesen sind, die eben noch bei dem Konzert in der Stadtpfarrkirche mitgewirkt hatten, denn der eine von den dreien war nämlich so ein Rothaariger mit Locken, wie man sie nur selten zu sehen bekommt und wie man sie deshalb auch nur schlecht verwechseln kann, und dem Wittrich war dieser Feuerfuchs ja schon in der Kirche besonders aufgefallen, weil der nämlich direkt hinter der zusammengeklappten Sängerin gestanden war, und die beiden anderen, die mit dem Feuerfuchs in die Weinstube gekommen sind, sind allerdings auch nicht gerade das gewesen, was man unauffällige Zeitgenossen nennen würde, denn der eine war so ein ganz dünner, langer Lulatsch mit Pferdeschwanz und Ziegenbart und der dritte so ziemlich das genaue Gegenteil davon, nämlich ein kleiner Dicker mit einem Igelschnitt, wie er in den Fünfziger Jahren einmal modern gewesen ist. Aber so unterschiedlich die drei auch ausgesehen haben – eines haben sie dann doch gemeinsam gehabt, und das ist ein Dialekt gewesen, wie man ihn in Kronach nicht so oft zu hören bekommt, denn offenbar haben die drei mehr aus dem südlichen Bayern gestammt und nicht so sehr aus dem nördlichen Franken, denn als die Ulla Klempp dann einmal für eine Weile auf dem Klo verschwunden ist, da hat sich der Wittrich zwar erst einmal sein Hörgerät abgenommen und sich das Ohr gerieben, weil so ein Hörgerät natürlich auch ein bisschen drücken kann am Ohr und weil der Wittrich sich einfach immer noch nicht so richtig daran gewöhnt hatte, und dann hat er ein bisschen am Regler gespielt und gleichzeitig in der Speisekarte geschmökert und sich vorgestellt, dass er noch einmal jung und gesund wäre und die ganzen leckeren Gerichte einfach so essen könnte, ohne hinterher wieder die halbe Nacht lang wach liegen oder in der Stadt herumlaufen zu müssen, weil sein Magen ihn einfach nicht schlafen lässt, aber dann hat er irgendwann geseufzt und sich das Hörgerät wieder aufgesetzt, und weil die Ulla Klempp jetzt immer noch nicht wieder vom Klo zurück gewesen ist, hat der Wittrich dann einmal versucht zu verstehen, was die drei Studenten am Nachbartisch so miteinander geredet haben, und da hat er dann gemerkt, dass ihm seine Fränkisch-Kenntnisse jetzt nicht mehr viel geholfen haben, aber er hat dann natürlich doch versucht, auch etwas vom Bayerischen zu verstehen, das die drei miteinander geredet haben, und das ist dann sogar so interessant gewesen, dass er gehofft hat, dass die Ulla Klempp noch ein bisschen länger auf dem Klo braucht, damit er noch ein bisschen länger zuhören kann, und tatsächlich hat er Glück gehabt, denn die Ulla Klempp hat nämlich auf dem Weg zum Klo noch eine Bekannte getroffen, die an einem anderen Tisch gesessen ist, und da konnte sie natürlich nicht einfach so daran vorbeigehen, ohne sich noch ein bisschen mit der zu unterhalten, und in der Zwischenzeit hat der Wittrich dann die folgende Unterhaltung zwischen den drei Kirchenmusikstudenten aus Regensburg aufgeschnappt:

– der Igel: „Ja, sogds amoi, wissds ia ejngdlich, weshoib dea Kilian heid goa nedd mitkumma is?“

– der Fuchs: „Mei, woss glabsdn du, weshoib dea nedd mid is? Eam hädds do glei dreimoi zrissn heid Oamd …“

– der Igel: „Ja wi moansd etz des?“

– der Fuchs: „Na, etz stöi di hoid nedd bleed!“

– der Igel: „Ja moanst, do iss woss glaffa?“

– der Fuchs: „Naa – glaffa gwiss nedd …“

– das Pferd: „Di Silvi hädd eam do nia noaglossn...“

– der Igel: „Di hodd do ollwei koan noaglossn …“

– der Fuchs: „Naa, des nedd, obba gwünscht hodda sichs scho …“

– der Igel: „Gee zu, des is nedd woar!?“

– der Fuchs: „Na, wenn i dias sogg …“

– der Igel: „Mei, da schau hea! … dea Kilian, dea oide Droima …“

– das Pferd: „I woas aa goa nedd, woss dea on dea Silvi gfundn hodd … do hossd ja goa nix zum Oolonga kobbt...“

– der Igel: „Mei, des is woar … da woar kei Fleisch nedd dro …“

– das Pferd: „Es is a Wunder, dess dia sich iberhabds hodd aof-henga könna, des Fliangkwicht …“

– der Igel: „A geh, sei staad, da mochd mer kei Witz driaba!“

– das Pferd: „Ja sorri, obba des woa ja zum End blos no a Klappagschdöi …“

– der Igel: „Mei, woss hoddn di iberhabds no gessa?“

Da hat sich der Feuerfuchs ein bisschen geduckt und nach vorne gebeugt und dabei die Augen zu dünnen Schlitzen zusammengekniffen, und dann hat er etwas langsamer und auch ein bisschen leiser als vorher gesagt:

– „Wann i eich verzähl, woss i kheert hobb …“, und dann hat er einen Moment lang gezögert, bis die andern beiden es nicht mehr ausgehalten haben.

– das Pferd: „No woss? Woss hossdn kheert?

– der Igel: „Mei, mochs hoid nedd so sponnd!“

– der Fuchs: „Dess is obba DOBB siigredd, des müaßts mia schwöan!“

– der Igel: „Jo freilich schwöan mas!“

– das Pferd: „Eanwoadd, mia song nix!“

– der Igel: „Dea Blizz soi dreischlong, wann i woss sogg!“

– der Fuchs: „Na guad, dann bassds amoi aof, dess hodd mia mei Onkl verzählt, dea wo bei dea Bollizei iss. Dess woar nemmich so, wann di Silvi gfundn woan is, da hodd di a Joggn ookhoppt und in dera Joggndoschn, da sann lauda Münzn kschdeckt. Ois voikschdopft! Lauda Münzn, und dess sann mea wi zwohundert Euro gwesn!“

– das Pferd: „Jo, woss soi etzt dess?“

– der Igel: „Mei, dess is kurios …“

– der Fuchs: „Kurios is dess freilich, obba noo nedd ois!“

– das Pferd: „Jo woss noo?“

– der Fuchs: „Ann Briaf homms aa kfundn …“

– der Igel: „Ann Briaf?“

– der Fuchs: „Ann Obschidsbriaf.“

– das Pferd: „Vo di Silvi?“

– der Fuchs: „Exakt.“

– der Igel: „No, un woss is drin kschdondn?“ und da hat der Feuerfuchs gleichzeitig die Augenbrauen hochgezogen, die Lippen nach innen gestülpt, dabei tief eingeatmet und dann einen Moment lang die Luft angehalten, bevor er gesagt hat:

– „Ja, DESS woas i nedd …“, und dann hat er die ganze Luft wieder ausgeatmet und sich zurückgelehnt und dabei die Arme vor der Brust verschränkt, und genau in dem Moment ist ja dann auch die Ulla Klempp von der Toilette wiedergekommen, und der Wittrich hat nur noch gehört, wie der Igel und das Pferd geschnaubt und irgend etwas gebrummelt haben, aber was genau die drei Kirchenmusikstudenten am Nachbartisch dann noch miteinander geredet haben, das hat der Wittrich jetzt natürlich nicht mehr verstehen können, denn mit einem Hörgerät ist es ja schon so nicht leicht, überhaupt noch etwas zu verstehen, wenn jemand redet, aber völlig unmöglich ist es, etwas zu verstehen, wenn mehrere gleichzeitig reden, und deshalb hat der Wittrich jetzt auch höchstens noch verstanden, was die Ulla Klempp geredet hat, die dann nämlich die neuesten Neuigkeiten von ihrer Bekannten erzählt hat, die sie auf dem Weg zum Klo getroffen hatte, und als sie mit dem Erzählen fertig gewesen ist, da hatten die Regensburger Kirchenmusikstudenten auch schon längst gezahlt und sind wieder unterwegs in Richtung Heimat gewesen, denn die wollten ja schließlich auch noch am selben Abend wieder zu Hause sein.

 

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zuletzt aktualisiert am 18.08.14
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