Das zerbrochene Ringlein.
Wittrichs letzter Fall.

Ein Provinzkrimi
von Burkhart M. Schürmann

(Copyright beim Autor)

 

 

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Montag, 22. Juni
   Morgens in der Zeitung und später im Hotel

Als der Wittrich dann am Montagmorgen nach dem Frühstück in den Gemeinschaftsraum vom Bürgerspital gekommen ist und die Zeitung aufgeschlagen hat, da hat es dann im Lokalteil gleich auf der ersten Seite gestanden:

KRONACH – Seit vergangenem Freitag wird der 62-jährige Dr. Hermann Schwenglein aus Kronach vermisst. Schwenglein war in der Nacht von Freitag auf Samstag von einem Wirtshausbesuch in Ruppen nicht nach Hause zurückgekehrt, sodass seine Ehefrau am Samstag Vermisstenanzeige bei der Polizei erstattete. Trotz intensiver Suche unter Einbeziehung eines Polizeihubschraubers konnte bislang nicht geklärt werden, wo der Mann sich derzeit aufhält. Der Vermisste ist etwa 175 cm groß und hat eine kräftige Statur. Er hat dunkle, kurze Haare und einen buschigen Oberlippenbart. Zeitweilig trägt er eine Brille. Bekleidet war Hermann Schwenglein zuletzt mit einer dunklen Stoffhose, einem hellen Hemd und einer Wildlederjacke. Wer Hinweise zum Aufenthaltsort des Vermissten geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei über die Notrufnummer 110 zu melden.

Daneben hatte die Zeitung auch noch ein Foto vom Dr. Schwenglein abgedruckt, das aber anscheinend schon ein ganzes Stückchen älter gewesen ist, denn auf dem Foto hat er noch gar nicht so dick ausgesehen, wie der Wittrich ihn vom letzten Sonntag in Erinnerung gehabt hat, als der Dr. Schwenglein mit dem Rücken zur Außenmauer der Stadtpfarrkirche gestanden war und von dem Hund von der Stephanie Fehn angebellt worden ist, und der Schnauzbart war auf dem Foto auch noch nicht so buschig, wie ihn der Wittrich in Erinnerung gehabt hat, aber man kann sich schon vorstellen, wie es ihm trotzdem einen kleinen Schrecken in die Knochen gejagt hat, als er da in der Zeitung einen vermissten Mann gesehen hat, dem er ja erst vor einer guten Woche leibhaftig begegnet war, und natürlich hat er sich auch gleich überlegt, ob er der Polizei vielleicht einen Hinweis zum Aufenthaltsort geben kann, aber dann hat er ziemlich schnell gemerkt, dass der Dr. Schwenglein ja erst eine knappe Woche später verschwunden ist, nachdem er ihn gesehen hatte, und dass es der Polizei wahrscheinlich gar nichts nutzt, wenn er ihr erzählt, dass der Dr. Schwenglein am Sonntag noch bei der Schwedenprozession mitgelaufen ist, aber dann hat sich der Wittrich andererseits auch wieder gedacht, dass er der Polizei vielleicht wenigstens etwas über den Streit zwischen dem Dr. Schwenglein und der Stephanie Fehn erzählen sollte, denn es wäre ja immerhin möglich gewesen, dass sein Verschwinden etwas damit zu tun hat, so böse wie die sich angebellt haben, aber dann hat sich der Wittrich auch wieder gedacht, dass es ganz schön heikel sein kann, die Stephanie Fehn bei der Polizei anzuschwärzen, wenn sie am Ende doch gar nichts mit dem Verschwinden vom Dr. Schwenglein zu tun hat, weil so etwas bleibt ja doch immer irgendwie an einem hängen, wenn erst einmal die Polizei vor der Tür gestanden ist und alle Nachbarn das gesehen haben. Also hat sich der Wittrich schließlich überlegt, dass er am besten erst einmal selbst noch ein paar Informationen über den Dr. Schwenglein sammelt, bevor er dann vielleicht doch noch zur Polizei geht, und deshalb ist der Wittrich jetzt erst einmal wieder zurück in sein Zimmer gewackelt und hat sich an seinen Schreibtisch gesetzt und einen Zettel herausgekramt und aufgeschrieben, was er bis jetzt schon alles über den Dr. Schwenglein gewusst hat – von der Ulla Klempp, vom Franz Kretzschmar und aus der Zeitung – und als er mit dem Schreiben fertig gewesen ist, hat er eine ganze Weile in die Luft geguckt und nachgedacht, bevor er den Zettel schließlich gelocht und in den Ordner „Wissenswert 11“ eingeheftet hat.

Etwas später hat der Wittrich dann wieder seinen Dreiteiler aus brauner Schurwolle angezogen und ist zum Hotel Försterhof in der Paul-Keller-Straße gegangen, wo an der Rezeption der Eddi Pawlitschek gearbeitet hat, mit dem sich der Wittrich gerne ab und zu einmal über dies und jenes unterhalten hat, weil – der Eddi Pawlitschek war nämlich eigentlich gar kein richtiger Hotelier, sondern hat das eher so als eine Art Nebenjob gemacht, seit er wegen seinem Krebs nicht mehr voll hat arbeiten können, denn eigentlich hat der Eddi Pawlitschek ja früher einmal ein Reisebüro gehabt, bis ihm dann sein Krebs einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hat, und seitdem hat er nur noch hier und da ein paar kleinere Tätigkeiten erledigen können, wie zum Beispiel stundenweise an der Hotel-Rezeption arbeiten oder auch gelegentlich im Büro der SPD-Landtagsabgeordneten ein paar Schreibarbeiten erledigen, und deshalb hat der Eddi Pawlitschek auch nicht nur immer sehr gut darüber Bescheid gewusst, was in der Welt so vor sich geht, sondern er hat sich auch leicht einmal aufregen können über die soziale Ungerechtigkeit in der Welt.

Als der Wittrich ihn dann an diesem Montag Vormittag im Försterhof besucht hat und sich die beiden an einen Tisch in der Eingangshalle gesetzt hatten und der Eddi Pawlitschek jedem ein Glas Mineralwasser eingeschenkt hatte, da hat der Wittrich eigentlich kaum etwas sagen müssen, weil – der Eddi Pawlitschek hatte natürlich auch schon längst die Zeitung gelesen und sich seine Gedanken darüber gemacht, und er hat dem Wittrich dann erzählt, dass er sich ganz gut vorstellen kann, dass das Verschwinden vom Dr. Schwenglein irgend etwas mit der Schließung des AVELO-Werks im Kronacher Ortsteil Neuses zu tun hat, die zu der Zeit gerade im Gange gewesen ist und durch die viele der Beschäftigten in die sichere Arbeitslosigkeit entlassen worden sind, und als der Wittrich dann noch einmal die ganze AVELO-Geschichte hören wollte, da hat der Eddi Pawlitschek erst so richtig losgelegt und die ganze AVELO-Geschichte noch einmal von vorne erzählt: dass nämlich schon irgendwann im vergangenen Herbst plötzlich durchgesickert ist, dass AVELO sein Leuchtenwerk in Neuses nach fast dreißig Jahren dicht machen will und dass die Produktion nach Polen verlagert werden soll, wo die Arbeitslöhne natürlich viel niedriger sind als in Deutschland, und nach Frankreich, wo ja schließlich die Konzernführung sitzt, und dass natürlich gleich alle erst einmal auf die Barrikaden gegangen sind und protestiert haben wie verrückt, als das bekannt geworden ist, denn schließlich haben da ja fast dreihundert Leute bei AVELO gearbeitet und einige davon schon seit über zwanzig Jahren, und die Belegschaft hat dann sofort eine Mahnwache organisiert und vor den Werkstoren ein Zelt aufgebaut und für jeden Beschäftigten ein Kreuz errichtet, als Symbol quasi, und der Betriebsrat ist zu Gesprächen mit der Konzernleitung nach Paris gefahren und hat ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, weil die Konzernleitung natürlich mit einem Gutachten über die Wirtschaftlichkeit des Standorts gewinkt hat, in dem die Schließung des Werks empfohlen wird, und dann hat sich auch der Pichelhans, also der zuständige Bundestagsabgeordnete von der CSU eingeschaltet und mit der Konzernführung gesprochen und mit dem Wirtschaftsminister, und im Dezember hat es dann eine Gesprächsrunde mit allen Beteiligten im Münchner Ministerium gegeben, und sie haben gemeinsam überlegt, wie man das Werk vielleicht doch noch retten kann und aus welchen Töpfen man die entsprechenden Finanzmittel herausholen soll, und nach diesem Gespräch hat es dann sogar erst einmal wieder so ausgesehen, als ob es für AVELO vielleicht sogar günstiger wäre, das Werk mit staatlichen Fördergeldern zu erhalten und nur ein bisschen umzustrukturieren, anstatt knapp dreihundert Beschäftigte auf die Straße zu setzen und dafür dann aber viel Geld in Sozialpläne und Auffanggesellschaften stecken zu müssen, und der Pichelhans ist aus München zurückgekommen und hat sich schon mächtig gefreut, dass er so viele Existenzen gerettet hat, aber die Beschäftigten haben lieber doch noch nicht aufgeatmet, sondern weiter ihre Mahnwache geschoben, und lauter wichtige Leute von den verschiedensten Verbänden sind da vor dem Werkstor aufgekreuzt und haben ihre Gesichter ins Blitzlicht der Pressefotografen gehalten, um ihre Solidarität zu zeigen, und sogar am Heiligabend hat der Betriebsseelsorger noch stundenlang Bibeltexte am Lagerfeuer vorgelesen und den Beschäftigten Mut gemacht, aber Ende Januar hat es dann plötzlich geheißen, dass das Werk nun doch auf jeden Fall geschlossen wird und dass es jetzt nur noch darum geht, für die Beschäftigten eine sozialverträgliche Lösung zu finden, und da hat es dann auch nichts mehr genutzt, dass der Betriebsrat inzwischen noch dieses zweite Gutachten angeschleppt hat und es mit der Geschäftsführung diskutieren wollte, weil zu diesem Gespräch ist es dann ja auch gar nicht mehr gekommen, denn die Wirtschaftsfachleute, die das Gutachten erstellt hatten und erläutern sollten, die sind dann beim vereinbarten Gesprächstermin Ende Januar ganz plötzlich verhindert gewesen, und die Geschäftsführung, also der Werksleiter, also der Dr. Schwenglein, der wollte dann auf einmal den Ersatztermin am zweiten Februar gar nicht mehr abwarten, sondern hat nur noch über seinen Pressesprecher verkünden lassen, dass er sich inzwischen schon ein eigenes Urteil über das zweite Gutachten gebildet hätte, und dass es ja auf veralteten Annahmen und Zahlen noch aus der Zeit vor der Automobil-Krise beruht, und dass man ja selbst dann, wenn es gelänge, das Werk umzustrukturieren und neue Aufträge an Land zu ziehen, bestenfalls „ein gerade mal positives Ergebnis“ erzielen könne, und das sei nun schließlich für ein Unternehmen dieser Größenordnung einfach nicht genug. Damit war die ganze Sache dann natürlich gelaufen, und der Pichelhans hat ganz schön dumm aus der Wäsche geguckt und einen ärgerlichen Brief an die Konzernleitung nach Paris geschrieben, dass er sich jetzt total veralbert fühlt, weil sie doch bei dem Gespräch in München eigentlich noch vereinbart hätten, dass sie das zweite Gutachten abwarten wollen, um dann weiter über eine Rettung des Werks zu beraten, aber das alles hat dann natürlich überhaupt nichts mehr genutzt, und nur wenige Tage später hat dann auch schon in der Zeitung gestanden, dass Ende Juli in Neuses endgültig die Lichter ausgehen.

Weil der Eddi Pawlitschek beim Reden inzwischen ziemlich laut geworden ist und am Ende auch schon ein bisschen Schaum vor dem Mund bekommen hatte, während dagegen der Mund innen drin ganz trocken geworden ist, deshalb hat er jetzt erst einmal einen Schluck Wasser trinken müssen, sodass der Wittrich die Pause genutzt und nachgefragt hat, was der Dr. Schwenglein denn bloß für einen Grund gehabt haben könnte, den zweiten Gesprächstermin über das Gutachten mit dem Betriebsrat doch nicht mehr abzuwarten und warum er diese Chance nicht noch wahrgenommen hat, sich für seine Beschäftigten einzusetzen, und da hat der Eddi Pawlitschek nur verächtlich geschnaubt und das Glas Wasser so heftig auf den Tisch geknallt, dass es nur so gespritzt hat, und dann hat er fast schon gebrüllt, dass so jemand wie der feine Herr Dr. Schwenglein ja doch überhaupt kein Unternehmer mehr im eigentlichen Sinne ist, also einer, der einen Betrieb im Schweiße seines Angesichts aufgebaut hat und so etwas wie Verantwortung für seine Mitarbeiter empfindet, sondern eben bloß so ein typischer „Business Consultant“, der immer nur für höchstens ein bis zwei Jahre als „Interim Manager“ und „Coach“ bei irgend einem großen Konzern eingestellt wird, um dort „Marktstrategien zu entwickeln“ oder „Qualitätsmanagementsysteme einzuführen“ oder „Fertigungsprozesse zu restrukturieren“ oder „Distributionsorganisationen aufzubauen“ oder eben auch „Produktionsstandorte zu verlagern“ und Werksschließungen mit Massenentlassungen „abzuwickeln“, so wie jetzt bei AVELO in Neuses, und dass der feine Herr Dr. Schwenglein dort ja auch erst letztes Jahr im August angefangen hat, weshalb man eigentlich ziemlich sicher davon ausgehen kann, dass er von Anfang an den Auftrag gehabt hat, am Ende doch nur das Werk dicht zu machen, und dass die ganzen Verhandlungen doch nur zum Schein geführt worden sind, und im Grunde wäre das für den feinen Herrn Dr. Schwenglein doch nur ein angenehmer Gelegenheitsjob gewesen, weil er ja nun einmal zufällig vor dreißig Jahren eine Kronacherin geheiratet und sich hier als „Reigschlaafter“ niedergelassen hat, und deshalb wär es für ihn ja bloß bequem gewesen, dass er bei seiner Tätigkeit für AVELO ausnahmsweise einmal wohnortnah agieren konnte, denn so jemand wie der würde ja sonst sein schmutziges Handwerk deutschlandweit verrichten und überall nur mal eben abgrasen und hinkacken, und eigentlich habe so jemand wie der ja gar keine Heimat, denn wenn jemand wirklich irgendwo verwurzelt wäre, dann könnte er nicht den Boden unter sich verdorren lassen, während … – aber an der Stelle hat dann plötzlich das Telefon geklingelt, und bevor der Eddi Pawlitschek sich noch weiter aufregen und das restliche Wasser in seinem Glas auch noch verschütten konnte, musste er erst einmal drangehen und eine Zimmer-Reservierung annehmen, und als er zurück gekommen ist, hat der Wittrich ihn dann gleich gefragt, welchen ganz konkreten Grund es denn nun aber für das plötzliche Verschwinden vom Dr. Schwenglein geben sollte, und da hat der Eddi Pawlitschek noch einmal laut geschnaubt und gesagt, dass er sich anstelle vom Dr. Schwenglein auch lieber aus dem Staub gemacht hätte, aber dann hat er doch einen Moment lang gezögert und sich geräuspert und schließlich mit nicht mehr ganz so fester Überzeugung weitergeredet und gesagt, dass ja vielleicht ein paar entlassene AVELO-Beschäftigte dem Dr. Schwenglein Drohbriefe geschickt haben und dass der daraufhin geflüchtet ist, bevor sie ihm wirklich noch etwas antun, oder aber, dass sie ja vielleicht gar nicht nur gedroht hätten, sondern ihm tatsächlich schon etwas angetan haben und er jetzt schon irgendwo im Wald verbuddelt ist, oder dass sie ihn ja vielleicht auch nur entführt haben, um von seiner Frau ein schönes Lösegeld zu erpressen, denn schließlich würde so ein Business Consultant ja nicht schlecht an einer Abwicklung verdienen, und das Jahresgehalt eines Dr. Schwenglein würde ja locker dafür reichen, mehrere Arbeiter-Großfamilien für einige Jahre über die Runden zu bringen. Jedenfalls gäbe es da draußen unter den Entlassenen wirklich genug verzweifelte Menschen, die nicht mehr viel zu verlieren hätten, und man wüsste ja, wozu ein Mensch fähig ist, der nicht mehr viel zu verlieren hat.

Aber dann hat das Telefon schon wieder geklingelt, und während der Eddi Pawlitschek drangegangen ist, hat der Wittrich auf die Uhr geschaut und gemerkt, dass er sich jetzt doch allmählich auf den Weg ins Bürgerspital machen muss, damit er rechtzeitig zum Mittagessen wieder zurück ist, und deshalb hat er dem Eddi Pawlitschek dann zum Abschied nur noch wortlos zugewinkt und ist hinaus gewackelt – vorne hinaus aus dem Försterhof und dann links durch die Paul-Keller-Straße zum Landesgartenschaugelände, denn bei dem schönen Wetter ist er natürlich viel lieber hinten herum durch das Parkgelände gegangen als vorne herum über die Kulmbacher Straße, auch wenn das vielleicht schon wieder einmal ein kleiner Umweg gewesen ist, aber der Wittrich ist einfach immer wieder gerne durch das Landesgartenschaugelände gegangen, an der Stadtgeschichtspromenade entlang und am Plessi-Turm vorbei, der ihn immer wieder ein bisschen stolz gemacht hat, weil – die Fernseher, die dieser verrückte Italiener da für sein Kunstwerk mit dem schönen Namen „Waterfire“ übereinandergetürmt hat, damit sie abends, wenn es dunkel wird, auf der einen Seite rotes Feuer hinaufzüngeln lassen, während auf der anderen Seite blaues Wasser herunterplätschert, die stammen ja noch aus einer Serie, die der Wittrich damals bei Loewe noch selber mitkonstruiert hatte, und dieses rostende Metallgehäuse um die Fernseh-Türme herum, über das sich immer alle furchtbar aufgeregt haben, das hat ihm ja trotzdem irgendwie gefallen, und er hat immer gesagt, dass er das mag, wenn man auch der Technik ihre Vergänglichkeit ansehen kann.

 Aber an diesem Montagmittag, als er vom Eddi Pawlitschek aus dem Försterhof gekommen und zurück ins Bürgerspital gewackelt ist, da hat er diesmal gar nicht so richtig auf den Plessi-Turm geachtet, denn als er die Schienen-Reste der alten stillgelegten Werksbahn ins Industriegebiet überquert hat, die durch das Landesgartenschaugelände verlaufen, da ist er plötzlich so ins Grübeln gekommen, dass er gar nicht richtig gemerkt hat, wie er am Plessi-Turm vorbeigelaufen ist, und vielleicht wäre er aus dem Grübeln auch so schnell nicht wieder herausgekommen, wenn nicht plötzlich der Willi Böhnlein nach ihm gerufen hätte, als er gerade den Zebrastreifen und die Europabrücke überquert und sich dahinter bei der kleinen Rampe am Geländer hinuntergehangelt hatte, um dann an der Kronach entlang in Richtung Bürgerspital zu gehen, weil der Willi Böhnlein, der hat da nämlich auf der anderen Seite der Kronach so einen kleinen verwilderten Garten hinter der Ufermauer, und über diese Ufermauer hat er jetzt drübergeguckt und nach dem Wittrich gerufen und ihn gefragt, ob er schon den Goldfisch gesehen hätte, der da unten vor ihm im Fluss schwimmt, und natürlich hat der Wittrich erst einmal gar nichts verstanden von dem, was der Willi Böhnlein da gerufen hat, und der hat auch mehrmals immer wieder das Gleiche rufen müssen, bis der Wittrich sein Hörgerät endlich richtig eingestellt hatte, und dann hat der Wittrich natürlich erst einmal gedacht, der Willi Böhnlein spinnt, denn so ganz normal ist der ja wirklich nicht im Kopf gewesen, aber dann hat der Wittrich irgendwann tatsächlich auch den kleinen Goldfisch gesehen, der da unten im Fluss geschwommen ist, und da hat er sich dann schon sehr gewundert, was da so ein kleiner Goldfisch in dem großen Fluss verloren hat, wo doch Goldfische sonst eigentlich nur in kleinen Gartenteichen herumschwimmen.

 

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zuletzt aktualisiert am 19.08.14
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